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Genormte Lautung und Zweifelsfälle bei der Aussprache

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Die älteste bekannte, 1898 geschaffene genormte Lautung ist die so genannte Bühnenaussprache von Theodor Siebs, die in erster Linie eine einheitliche Aussprache auf der Bühne ermöglichen sollte, dann aber eine viel weiter gehende Geltung erlangte. Sie ist mehrmals überarbeitet worden. Die Bühnenaussprache ist in den letzten Jahrzehnten durch eine neue Norm abgelöst worden, [...] nicht zuletzt deshalb, weil das (klassische) Theater seine Rolle als Träger einer Einheitsaussprache weitgehend an Rundfunk und Fernsehen abgeben musste. [...] Die wesentlichen Züge dieser Standardlautung sind folgende:

  1. Sie ist eine Gebrauchsnorm, die der Sprechwirklichkeit nahe kommt. Sie erhebt jedoch keinen Anspruch darauf, die vielfältigen Schattierungen der gesprochenen Sprache vollständig widerzuspiegeln.
  2. Sie ist überregional. Sie enthält keine typisch landschaftlichen Ausspracheformen.
  3. Sie ist einheitlich. Varianten [...] werden ausgeschaltet oder auf ein Mindestmaß beschränkt.
  4. Sie ist schriftnah, d. h., sie wird weitgehend durch das Schriftbild bestimmt.
  5. Sie ist deutlich, unterscheidet die Laute einerseits stärker als die Umgangslautung, andererseits schwächer als die zu erhöhter Deutlichkeit neigende Bühne.

Zweifelsfälle bei der Aussprache

In Namen wird die Schreibung oe in der Regel wie der Buchstabe ö ausgesprochen (Foerster, Schoeller, Spoerl, Moers, Goetheanum). Das gilt jedoch nicht für die auf -er gebildeten Ableitungen von geografischen Namen, die auf -o enden: Togoer, Chicagoer, Osloer, Kairoer. In bestimmten norddeutschen Namen wird oe abweichend von dieser Regel als langes, geschlossenes o [o:] gesprochen: Coesfeld, Itzehoe, Soest.

Eine weitere Aussprachebesonderheit gibt es auch in bestimmten, besonders rheinischen Ortsnamen, in denen oi als langes, geschlossenes o [o:] gesprochen wird: Grevenbroich, Korschenbroich, Roisdorf, Voigt.

Auslautendes -ng wird fälschlicherweise oft wie ein k [k] gesprochen. Doch weder bei der Zeitung noch beim Ring sollte in der Standardaussprache am Ende ein k [k] zu hören sein. Dasselbe gilt auch für die Buchstabenfolge -ig: Auch hier wird das auslautende g standardsprachlich nicht wie ein k [k] gesprochen, sondern wie der Reibelaut in dem Wort ich. Das gilt für Wörter wie König, Honig, eilig, sperrig und viele andere Adjektive auf -ig.

Sobald aber durch Deklination weitere Buchstaben hinzutreten, wird das g wieder wie g gesprochen: die Könige, eilige Nachrichten, in einer sperrigen Kiste.

Folgt der Endung -ig die Ableitungssilbe -lich (königlich), so wird das g wie ein k [k] gesprochen.

Aus dem Französischen kommende Wörter, die auf einen Nasalvokal enden, werden in vielen Fällen heute eingedeutscht, d. h. ohne Nasal gesprochen. Vor allem häufig gebrauchte Wörter auf -on sind betroffen: Balkon, Ballon, Beton, Saison, Blouson. Sie werden mittlerweile wie -ong gesprochen.

Allerdings hat dieser Vorgang nicht alle Fremdwörter gleichmäßig und gleichzeitig ergriffen. Erhalten geblieben ist der Nasalvokal in der Standardaussprache der Wörter Chanson, Fasson, Flakon, Jargon, Jeton, Bidon. Das heißt nicht, dass nicht auch aus dem einen oder anderen dieser Wörter in der Umgangslautung der Nasal verschwunden ist.

radebrechen

Im Mittelalter diente oft ein Gerät in Form eines großen Rades der Vollstreckung von Todesurteilen. Der Verurteilte wurde aufs Rad gebunden oder gespannt, er wurde gerädert. In diesem Umfeld entstand auch das Verb radebrechen – es hatte ursprünglich die Bedeutung jmd. auf dem Rad die Glieder brechen. Erst später wurde es dann auch in übertragener Bedeutung gebraucht im Sinne von eine Sprache schinden und grausam zurichten. Diese Bedeutung hat es im Grunde bis heute behalten: Wer radebrecht, spricht eine fremde Sprache nur mühsam und unvollkommen.

Interessant bei diesem Verb ist auch das Konjugationsmuster. Obwohl es vom unregelmäßig gebeugten Verb brechen abgeleitet ist, wird es dennoch regelmäßig gebeugt, also du radebrechst, er radebrechte (nicht: du radebrichst, er radebrach).

Duden ...

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