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Der Boulevard der Lebenslügen

Brotkrümmel :: www » de » Blog » 2005 » Für Folken

Thomas E. Schmidt schrieb neulich in der Zeit über Den Boulevard der Lebenslügen, ein Text über „eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin“, die „die Unterschiede und die Abgründe in den europäischen Geschichtsbildern sichtbar“ macht.

Ja, nicht nur die überschrift hat meine Interesse gefangen, Teile seines Textes war ja auch relevant für eine Debatte, die wir dringend auch in Norwegen brauchen.

Historische Ausstellungen haben nur dann etwas mit der Zukunft zu tun, wenn ihr Befund den Interessen der offiziellen Erinnerungsplaner wenigstens ansatzweise zuwiderläuft. Die Ausstellung über Mythen der Nationen. 1945 – Arena der Erinnerungen im Deutschen Historischen Museum weist in die Zukunft, und zwar deswegen, weil sie sich noch einmal über Europa, das Kind der Kriege, zu wundern traut, trotz schnurrendem Vereinigungsprozess der europäischen Nationen und trotz aller Stilsicherheit ihrer Regierungen beim öffentlichen Erinnern an Völkermord und Krieg.

...

Europa ist keine wohlgeordnete Schule der Geschichte, sondern ein wuseliger Basar kollektiver Träume, Ängste und Besessenheiten, die von der Vergangenheit ausgelöst wurden.

... muss Europa mit Unterschieden im Gedenken leben lernen? Für die Geschichtshüter ist die Mehrperspektivik der Schau eine doppelte Provokation: Denen, die eine national begrenzte Erinnerungsgemeinschaft für unhintergehbar halten und hinter »Auschwitz« bloß politische Korrektheit wittern, führt sie vor Augen, dass sich historische Diskurse durchaus überlappen können, ohne dass die Differenziertheit der Forschung und der Urteilsbildung darunter leiden. Und allen, die am westdeutschen Gedenkwesen die Welt genesen lassen wollen, zeigt sie souverän, dass jeder Universalismus historische Voraussetzungen und politische Kontexte hat, um sich in Szene zu setzen. Erinnerungspolitische Exklusivität kann im gemeinsamen Europa jedenfalls niemand mehr für sich reklamieren.

Wenn ich in der Nähe lebte – oder Geld und Zeit hatte – besuchte ich die Ausställung.

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